Sonntag, 5. August 2012

Ascona-Tag 3: Monte Tamaro

Das Wetter sieht heute Morgen erstmal gut aus und so machen wir uns auf den Weg zum Monte Tamaro. Hier gibt es die offizielle DH-Strecke die beim IXS Swiss cup gefahren wurde und eine Tour hoch zum Monte Tamaro die wir noch angehen wollen. Angekommen in Rivera begrüßt uns die Sonne, der obere Teil der Gondel schwebt allerdings schon in grauen Wolken. Erstmal denken wir uns nix, ziehen unsere Rüstung an und fahren mit der Gondel hoch zur Alpe Foppa. Oben hängt der Streckenstart im Nebel und es ist deutlich kühler als erwartet. Auf den angelegten, verdichteten Strecken kann man nach dem Regen der letzten Nacht davon ausgehen, dass der Boden etwas klebrig und rutschig wird. Gedanklich darauf vorbereitet und unsicher aus der kalten Hose heraus, gerade der Gondel entstiegen die Strecke zu befahren, geht es los. 


Ich habe das Gefühl wie ein ängstliches Huhn auf dem Rad zu hängen und bin froh, erstmal keinen anderen Radlern zu begegnen. Die Strecke ist durch das ordentliche Gefälle schnell und abwechslungsreich mit vielen Anliegern, Steinen und Wurzeln. Der Boden ist besser als erwartet, aber für mich immernoch etwas ungewohnt auf der Strecke. Zerfurchte enge Kurven mit Wurzeln und Steinen wäre ich lieber erstmal im Trockenen gefahren. So steige ich lieber öfters ab und beobachte wie die anderen beiden Fahrer, die auf der Strecke nach uns fahren, das so machen. Die Strecke ist anspruchsvoll, aber fahrbar. Moritz fährt sicher und kommt gut durch, während ich mich ärgere dass ich zur psychologischen Unterstützung nicht meinen Rainking Reifen aufgezogen habe! So brauche ich relativ lang bis ich wieder unten bin und noch eine Fahrt schaffen wir heute nicht mehr.



Schließlich wollen wir zur Tour aufbrechen da nicht klar ist wie lang es so dauert und das Wetter immer weniger einladend aussieht.


Unten angekommen spülen wir kurz die Räder sauber (wird vom Liftbetreiber hier vorgeschrieben), ziehen die Tourklamotten an und los gehts. Wieder hat man oben kaum Sicht ins Tal und jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Moritz überlegt abzubrechen als es sich einregnet und immer kühler wird... der Weg ist noch weit und wir müssen unten noch zum Auto zurück radeln. Diesmal kann ich dann doch mal meine englischen Wurzeln zum Vorschein bringen und überrede ihn die Tour zu machen. 

Nach dem Debakel für mich auf der DH-Strecke brauche ich jetzt ein Erfolgserlebnis, zudem ist die teure Gondel bezahlt und ich will im strömenden Regen nicht nochmal die DH-Strecke runter ;). Bei einer Tour habe ich immer das Gefühl was geschafft zu haben und viel gesehen zu haben. Zudem gefallen mir die Strecken meist besser. Da macht es mir auch nichts aus an Schlüsselstellen mal abzusteigen. Das Gefühl ein Teil der Natur zu sein ist hier einfach unvergleichlich.



Wir beschließen also im teilweise strömenden Regen den Schotterweg zum Manera zu folgen wovon ein kurzes Stück getragen werden muss. Der lose Schotter ist steil und im Regen rutschig weshalb wir meist schieben. Hier oben pfeift der Wind und ich packe kurz die Kamera aus bevor es an einer Hütte weiter geht Richtung Monte Tamaro. Hier treffen wir wieder auf die einzigen Wanderer die in einer Spalte pausieren und Schutz vor dem Regen suchen. An der Hütte treffen wir auf einen redseeligen Asiaten der ganz erstaunt ist dass wir weiter wollen und uns lächelnd, aber mit besorgtem Blick folgt. Am steilen Hang des Motto Rotondo geht es weiter über einen schmalen und steinigen Weg bis der mächtige Gipfel des Monte Tamaro in Erscheinung tritt. An dieser Stelle möchte ich hinzufügen dass ich mehrmals dachte wir wären gleich da, leider konnte man den mächtigen Gipfel des Tamaro erst recht spät sehen. Zwischendurch sah man immer nur einige kleinere unspektakuläre Gipfel und so war ich bei seiner Erscheinung erst ein wenig schockiert weil ich dachte wir müssten da jetzt auch noch rauf :D.


Wir sind inzwischen sehr nass, freuen uns aber auf die Abfahrt und kurzzeitig hört es tatsächlich auch mal auf zu regnen. Wir haben jetzt so 400Hm hauptsächlich schiebend hinter uns die zwar etwas steiler waren, aber insgesamt locker wenn man vom Regen mal absieht.

Ich weiß nicht wieviele Kilometer die folgende Strecke hat, aber wir fahren bei 1842Hm am Monte Tamaro los und enden im Tal bei Sigirino auf 470Hm. Feinster Singletrail bis ins Tal. Im oberen Teil sehr anpruchsvoll mit einigen schwierigen Kehren und steinigen Stufen, dann folgen wir leichteren Kehren und gelangen in einen waldigen Abschnitt mit groben Wurzeln die als Stufen und Kanten dienen während es wieder in strömen regnet. Wir folgen dem Wasser auf dem Trail. Wieder kommen einige Spitzkehren während der Trail schmaler und wieder steiniger wird. Der schmale Pfad führt an einem waldigen Hang entlang. 


Je weiter wir fahren, desto mehr hat man das Gefühl im Wald zu verschwinden. Viele Wasserfälle und alte Bäume säumen den Weg der so abgelegen scheint, dass man sich nicht vorstellen kann hier mal Wanderer zu treffen. An einigen Stellen hat man das Gefühl es wäre plötzlich schon Herbst soviel Laub säumt den Boden über den wir fahren. Danach gelangen wir auf eine Wiese wo wir kurz die Orientierung verlieren, aber uns dann schnell für die richtige Richtung entscheiden. Weiter geht es im Wald.

Völlig unerwartet wird es hier wieder steinig, manchmal mit losem Gestein, dann wieder mit grobem festen Steinbrocken. Geformt wie ein altes Flussbett, fordert die spaßige Strecke hier wieder volle Konzentration. Jeder Stein will an dein Material oder kann dich vom Rad schmeißen. Inzwischen spüre ich Muskeln die ich gar nicht kannte und es hat übrigens auch aufgehört zu regnen. Wir kommen an einen etwas größeren Wasserfall und beschließen kurz was zu essen und schonen unsere Kräfte für das letzte Stück. Wieder geht es steinig weiter. Die Steine werden runder und es kommen wieder einige Kehren die bezwungen werden wollen. Am Ende ist man tatsächlich mal froh den Asphalt zu spüren. 



Was für ein Trail! Der fordert Material, Konzentration und Kraft und macht dabei irre viel Spaß. Man hat das Gefühl durch verschiedenste Wälder und Orte gefahren zu sein, einfach genial! Auf den Straßen geht es einige Kilometer zurück zum Auto nach Rivera. So könnte ich noch ewig fahren, bloß im Sattel sitzen und treten! Der Schmerz kommt erst beim Absteigen :D. Heute erwartet uns eine ordentliche Pizza vom leckeren Italiener! Hab ich schon erwähnt dass uns hier unten die Sonne anlacht!

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